Mein Blog
Kleine Szenen,
große Fragen
Immer eine Erinnerung, ein Gedanke dazu – und etwas Kleines, das du heute schon tun kannst.
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Ich habe den Hof leergeräumt, einen Monat vor der Geburt
1996 wurde der Hof verkauft, und er musste leer werden. Ich war hochschwanger. Gefragt hat mich keiner, ob ich kann.
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Wir haben gerufen, und sie ging weiter
Meine Tante war Nonne und durfte zwanzig Jahre nicht nach Hause. Einmal haben wir nach ihr gerufen – und sie ging weiter.
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Der Likör wurde besser, wenn ich ihn in Ruhe ließ
Alles im Haus brauchte mich. Nur ein Glas im Schrank nicht – der Likör wurde besser, wenn ich ihn in Ruhe ließ.
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Ich habe meine Pausen versteckt
Wenn das Garagentor hochging, war ich in drei Sekunden in der Küche. Eine Pause, bei der man erwischt werden könnte, ist keine Pause.
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Ich bin aufgestanden und habe geschrien
Um elf Uhr morgens, mitten bei der Arbeit, mit siebenundfünfzig: Ich bin aufgestanden und habe gejubelt. Was du konntest, ist nicht weg.
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„Mama, du hast hinten ja kaum noch Haare"
Mein Sohn hat es im Vorbeigehen gesagt. Ich hatte es selbst nicht gesehen – mein Körper hat es gesagt, bevor ich es gesagt habe.
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Wir haben uns um Omas Pommes gestritten
Wir hatten Pommes vom Klumpensonntag mitgebracht, auch eine für Oma. Wir haben uns darum gezankt. Dann klopfte es an der Tür.
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Wir sind an die Bääke gegangen
Brücken aus Steinen, Papierschiffchen, und eine einzige Regel: vor dem Dunkelwerden zu Hause sein. Mehr wollte keiner wissen.
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Fünfzehn Kuchen für einen Tag
Für den Tag der offenen Gartenpforte einer Freundin habe ich fünfzehn Kuchen gebacken. Als ich selbst einmal welche brauchte, kam keiner.
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Sonntags habe ich die Brötchen selbst gebacken
Zwischen sieben und acht war ich wach, damit für alle frische Brötchen da waren. Heute backe ich sie nur noch, wenn es für mich passt.
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Ich habe den Kaffee weggeschüttet
Drei Tassen an einem Vormittag gekocht und keine getrunken. Dabei hätte ich jede in zwei Minuten austrinken können.
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Am Waldrand habe ich angehalten
Vor der eigenen Tür sitzen bleiben wäre aufgefallen. Also bin ich vorher stehen geblieben, wo mich keiner sieht.
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Und dann kam keiner mehr nach Hause
Das Haus war nicht leer, da stand alles noch drin. Es kam nur keiner mehr rein und erzählte.
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Ich wollte mal Innenarchitektin werden
Mit fünfundvierzig schaute ich im Gäste-WC in den Spiegel und dachte: Wollte ich das eigentlich so?
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Ich habe die Fotos gemacht
Als die Kinder aus dem Haus waren, habe ich die Alben durchgeblättert. Auf keinem Schnappschuss bin ich drauf – weil ich immer die Kamera hatte.
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Meine Spalte war die vollste
Im Familienplaner stand bei mir alles: Fußball, Lesestunde, Arzttermine der Eltern. Nur kein einziger Termin, der für mich war.
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Meine Beine sahen aus wie ein Streuselkuchen
Stroh einholen war die härteste Arbeit im Jahr – und einer der schönsten Tage. Weil sie ein Ende hatte und alle zugeschaut haben.
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Der Kuchen war fertig, ich nicht
Lungenentzündung, und der Große hatte Geburtstag. Ich habe gebacken, Stockbrot gehalten und abends aufgeräumt. Gefragt hat keiner – ich auch nicht.
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Ein Buch und eine Tüte Flips
Mit dreizehn habe ich mir sonntags fünf Bücher geholt und abends leise geweint. Gehört hat das keiner – das sollte auch keiner.
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Für jeden lag etwas im Wagen
Ich habe für jeden aufgeschrieben, was er gern mag. An der Kasse war der Wagen voll – und für mich war nichts drin.
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Wann bin ich eigentlich mal dran?
Die Männer sitzen im Wohnzimmer, ich bin in der Küche. Am Ende sagen alle: Das war schön. Und ich denke: Ja. Bestimmt.
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Meine Brüder saßen auf dem Trecker
Ich durfte nicht Trecker fahren, meine Brüder schon. Und gefragt, warum, habe ich nie – so einen Satz gab es bei uns nicht.
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"Stell dich nicht so an"
Ich bin vier Meter tief vom Strohsolder gefallen. Und habe zu hören gekriegt, dass so was schon mal passiert. Über einen Satz, der nicht aufhört.
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Meine Katze hat mich von der Schule abgeholt
Sie hieß Mausi und saß jeden Mittag an der Bushaltestelle. Bis zu dem Morgen, an dem sie tot dort lag – und ich trotzdem in den Bus gestiegen bin.
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Ich backe mein Brot immer noch selbst
Aber die Bohnen wecke ich nicht mehr ein. Über die Frage, welche alten Gewohnheiten man behalten darf – und welche man getrost weglassen kann.
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Drei Dinge, die du früher gern gemacht hast
Ich war sieben Jahre im Spielmannszug, Sopranflöte und Altflöte. Dann fing die Ausbildung an und es passte nicht mehr. So verschwindet das meiste – ganz leise.
Und wenn du mal drüber reden möchtest
Dann lern mich kennen. Zwanzig Minuten am Telefon, kostenlos und unverbindlich – danach weißt du, ob dir liegt, wie ich arbeite. Und wenn ja, begleite ich dich acht Wochen lang, einmal die Woche, nur du und ich.
Oder du fängst kleiner an: „Der erste Schritt“ ist ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.