Sonntags habe ich die Brötchen selbst gebacken
Und heute mache ich das immer noch – aber anders
Sonntagmorgens war ich zwischen sieben und acht wach.
Nicht weil ich früh aufstehe. Sondern weil Brötchen fertig sein sollten, wenn die anderen runterkamen.
Und ich habe sie nicht geholt. Ich habe sie gebacken.
Warum ich das gemacht habe
Weil alle das so lecker fanden.
So einfach war das. Es hat ihnen geschmeckt, sie haben sich gefreut, und ich wollte ihnen etwas Gutes tun.
Das war kein Zwang. Das hat mir sogar Spaß gemacht – Teig kneten kann ich gut, und wenn es aus dem Ofen kommt und riecht, ist das schon etwas.
Ich schreibe das extra dazu, damit hier kein falscher Eindruck entsteht. Es war schön.
Und trotzdem stimmte etwas nicht
Ich habe nie gefragt, ob ich das an dem Sonntag will.
Es war einfach so. Sonntag heißt Brötchen, Brötchen heißt Christel steht früh auf. Das stand nirgends geschrieben, und keiner hat es verlangt. Es hat sich ergeben und ist dann geblieben.
Auch an den Sonntagen, an denen ich lieber liegen geblieben wäre.
Auch wenn ich abends vorher spät ins Bett gekommen bin.
Auch wenn ich müde war und keine Lust hatte – dann habe ich es eben mit weniger Lust gemacht, aber gemacht habe ich es.
Der Unterschied, den ich lange nicht gesehen habe
Es gibt zwei Arten, jemandem etwas Gutes zu tun.
Die eine: Du hast Lust, du machst es, alle freuen sich. Danach fühlst du dich gut.
Die andere: Du machst es, weil es erwartet wird – auch wenn keiner es ausgesprochen hat. Alle freuen sich trotzdem. Nur du fühlst dich hinterher leer und weißt nicht recht, warum.
Von außen sehen die beiden gleich aus. Es liegen dieselben Brötchen auf dem Tisch.
Von innen sind sie völlig verschieden.
Was sich geändert hat
Ich backe die Brötchen heute noch.
Aber nur, wenn es für mich passt.
Gedreht hat sich das erst nach der Trennung. Da war ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit in einer Küche, in der niemand etwas von mir erwartete. Und da habe ich gemerkt: Ich mag das ja wirklich.
Nur eben nicht jeden Sonntag. Nicht auf Zuruf. Nicht, weil um neun jemand runterkommt.
Sondern wenn ich Lust habe. Manchmal an einem Dienstag.
Es sind dieselben Brötchen. Aber es ist etwas ganz anderes.
Vielleicht kennst du das
- Du machst etwas gern – und trotzdem ist es irgendwann anstrengend geworden.
- Es gibt Sachen bei euch, die macht immer dieselbe Person. Ausgemacht hat das nie jemand.
- Du stehst früher auf als nötig, damit für die anderen etwas fertig ist.
- Wenn du es einmal nicht machst, hast du ein schlechtes Gewissen. Obwohl keiner etwas sagt.
Das ist kein Vorwurf
Nicht an meine Familie. Die haben sich gefreut, und Freude ist nichts Schlechtes.
Und auch nicht an mich von damals. Die hat gern gebacken. Das war echt.
Nur: Aus einem „ich mache das gern“ war irgendwann ein „das macht sie eben“ geworden. Und diesen Übergang merkt keiner. Weder die anderen noch man selbst.
Mein Tipp für diese Woche
Nimm dir eine Sache, die du regelmäßig für andere machst. Eine, die du eigentlich gern machst.
Und dann stell dir eine einzige Frage:
Würde ich das auch machen, wenn ich es mir jetzt frei aussuchen könnte?
Wenn ja – schön. Dann mach es weiter, und mach es gern.
Wenn nein oder wenn du zögerst, dann verschieb es einmal. Nicht abschaffen, nur verschieben. Back die Brötchen am Dienstag statt am Sonntag.
Du wirst merken: Es sind dieselben Brötchen. Aber du bist eine andere dabei.
Ein paar Fragen für dich
Vielleicht am Wochenende, wenn es ruhig ist.
Was machst du regelmäßig für andere – und wann hast du zuletzt gefragt, ob du es willst?
Gibt es etwas, das du gern machst, aber nur zu einer Zeit, die dir nicht passt?
Was würdest du heute backen, kochen oder machen, wenn es niemand erwarten würde?
Bei der letzten fällt vielen erst mal nichts ein. Dann warte ab. Es kommt schon.
Der Satz für heute
„Es sind dieselben Brötchen. Aber es ist etwas anderes.“Der Satz für heute
Es geht nicht darum, aufzuhören.
Es geht darum, dass du es wieder machst, weil du willst – und nicht, weil es Sonntag ist.
Wenn du magst, machen wir weiter
Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.
Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.
Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:
- Mein Begleitbuch „Zurück zu dir“
Zwölf ruhige Wochen mit viel Platz zum Reinschreiben. Kein Programm, kein Druck. - Der erste Schritt
Ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.
Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Deine Christel