Für jeden lag etwas im Wagen
Warum auf meinem Einkaufszettel jeder Name stand, nur meiner nicht
Ich habe immer einen Zettel geschrieben, bevor ich einkaufen ging.
Nicht so einen schnellen, auf die Rückseite von irgendwas. Einen richtigen. Ich habe mich hingesetzt und überlegt: Was mag der eine gern, was mag der andere. Der eine isst das nicht, der andere will es genau so. Die Kinder mögen dies, mein Mann das, Oma und Opa wieder etwas anderes.
Und dann habe ich überlegt, was ich koche, damit für jeden etwas dabei ist. In der Woche kam jeder mal dran mit dem, was er am liebsten mag.
Das ist Arbeit. Das merkt nur keiner, weil es am Ende aussieht wie ein Zettel.
Und dann bist du im Laden
Da geht es weiter.
Du stehst vor einem Regal und siehst irgendetwas, und dir fällt sofort jemand ein. Ach, die mag doch diese Kekse. Der freut sich, wenn ich das mitbringe.
Kostet ja nicht viel. Und du weißt genau, wie das Gesicht aussieht, wenn du es auspackst.
Also legst du es dazu. Und noch etwas. Und noch etwas.
An der Kasse
Der Wagen ist voll.
Und wenn du hinschaust, ist für jeden etwas drin. Für wirklich jeden.
Für dich ist nichts drin.
Höchstens mal ein Blumenstrauß. Aber der stand ja am Eingang, und Blumen sind sowieso fürs Wohnzimmer. Die sind für alle.
Das ist mir jahrelang nicht aufgefallen. Ich habe das nie als Verzicht empfunden. Ich hatte doch alles, was ich brauchte.
Und wenn du dir doch mal etwas mitbringst
Dann kann es passieren, dass du zu hören kriegst:
"Hast du zu viel Geld gehabt?"
Vielleicht war das nicht mal böse gemeint. Vielleicht war es einfach so ein Spruch, wie man sie eben macht.
Aber sowas merkst du dir.
Und beim nächsten Mal legst du es wieder zurück. Oder du kaufst es und sagst nichts. Oder du machst das, was ich am längsten gemacht habe – du kaufst es und erklärst es sofort, bevor überhaupt jemand fragt:
"Das war reduziert."
"Das habe ich gebraucht für –"
"Das war das letzte, das gab es nur noch einmal."
Als müsste man sich dafür entschuldigen, dass etwas im Wagen liegt, das nur einem selbst gehört.
Vielleicht kennst du das
- Bei jedem in der Familie weißt du sofort, was er gern isst. Bei dir müsstest du überlegen.
- Du hast schon Sachen wieder ins Regal gelegt, weil sie unnötig waren – unnötig für dich.
- Du hast dich schon dafür gerechtfertigt, dass du dir selbst etwas gekauft hast.
- Auf deinem Zettel steht jeder Name. Nur deiner nicht.
Das ist kein Vorwurf
Nicht an die anderen. Keiner hat gesagt: Kauf dir bloß nichts. Die meisten würden sich vermutlich wundern, wenn sie das hier lesen.
Und auch nicht an dich. Du hast das gelernt, so wie ich es gelernt habe. Bei uns wurde nicht ausgegeben, was nicht sein musste. Und das, was nur für einen selbst ist, muss ja eigentlich nie sein.
Mein Tipp für den nächsten Einkauf
Nimm deinen Zettel und schreib eine Zeile dazu. Ganz unten.
Da steht dein Name.
Und dahinter eine Sache, die nur für dich ist. Nichts Großes. Und vor allem nichts Praktisches – kein Waschmittel, keine Zahnpasta, nichts, was der Haushalt auch gebraucht hätte.
Der Käse, den außer dir keiner isst. Die Zeitschrift. Die gute Schokolade, nicht die aus dem Angebot.
Und dann leg sie in den Wagen und erklär sie nicht.
Nicht an der Kasse. Nicht zu Hause beim Auspacken. Wenn jemand fragt, sagst du: "Die ist für mich." Mehr nicht. Kein "weil", kein "war sowieso reduziert".
Der Satz ist kürzer, als du denkst. Er fühlt sich nur lang an.
Ein paar Fragen für dich
Die kannst du auch mitnehmen und im Laden dran denken.
Wann hast du dir zuletzt etwas gekauft, das nur für dich war – und weißt du noch, was es war?
Was hast du schon einmal wieder ins Regal zurückgelegt, obwohl es dir gefallen hat?
Wenn du deinen Namen auf den Zettel schreiben müsstest: Was stünde dahinter?
Wenn dir bei der letzten nichts einfällt, ist das kein schlechtes Zeichen. Dann bleibt die Zeile eben ein paar Tage leer. Sie darf leer bleiben, bis dir etwas einfällt.
Der Satz für heute
"Auf dem Zettel fehlt ein Name."Der Satz für heute
Deiner.
Und er passt da drauf. Platz ist genug.
Wenn du magst, machen wir weiter
Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.
Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.
Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:
- Mein Begleitbuch „Zurück zu dir“
Zwölf ruhige Wochen mit viel Platz zum Reinschreiben. Kein Programm, kein Druck. - Der erste Schritt
Ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.
Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Deine Christel