Fünfzehn Kuchen für einen Tag
Und als ich einmal welche gebraucht hätte, kam keiner
Wenn irgendwo Kuchen gebraucht wurde, stand ich an erster Stelle.
Kindergarten. Schule. Fußballverein. Unser Jüngster hat gefochten – auch da. Die Deutsch-Britische Gesellschaft, in der ich bin. Die Nachbarschaft. Egal wo, wenn etwas gebraucht wurde, war ich dabei.
Und wenn es sein musste, habe ich nachts gebacken.
Der Tag mit den fünfzehn
Eine Freundin hatte einen Tag der offenen Gartenpforte.
Fünfzehn Stück habe ich gebacken. Kuchen, Torten, Muffins. Für einen Tag.
Ich habe die Küche zwei Tage lang nicht anders gesehen als voller Bleche. Und ich habe mich sogar gefreut – es war ja für sie, und es sollte schön werden.
Es wurde auch schön. Alle haben gesagt, wie gut das schmeckt.
Und dann hatte ich selbst mal etwas vor
Ich habe einen offenen Tag für ein Projekt geplant. Etwas, das mir wichtig war.
Und da sollte es auch Kuchen geben.
Ich habe also gefragt. Bei denen, für die ich jahrelang gebacken hatte. Beim Verein, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis.
Und dann ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet hatte.
Es kam keiner.
Nicht einer. Keiner hat einen Kuchen gebacken. Keiner hat gesagt, ich bring dir was vorbei.
Das hat gesessen
Ich war nicht wütend. Das ist das Merkwürdige.
Ich war einfach nur überrascht. Und dann kam der Gedanke: Du hast das jahrelang gemacht, und du hast wirklich geglaubt, dass da irgendwo ein Konto ist. Dass etwas zurückkommt, wenn du mal dran bist.
Es gibt kein Konto.
Das ist nicht mal böse gemeint von den anderen. Die haben gar nicht gemerkt, dass es eins geben könnte. Für die war es eben normal, dass ich backe – so wie es normal ist, dass die Sonne aufgeht. Bei der Sonne bedankt man sich auch nicht.
Was ich mir lange vorgeworfen habe
Ich habe gedacht, ich war dumm.
Das denke ich heute nicht mehr. Ich war nicht dumm. Ich habe nur nie ausgesprochen, dass ich auch etwas brauche.
Wer immer gibt und nie fragt, bringt den anderen bei, dass er nichts braucht. Und irgendwann glauben sie es. Man kann ihnen das nicht mal vorwerfen – man hat es ihnen ja beigebracht.
Fünfundzwanzig Jahre lang, ein Blech nach dem anderen.
Vielleicht kennst du das
- Du wirst als Erste gefragt, wenn irgendwo etwas gebraucht wird. Weil du nie Nein sagst.
- Du hast schon nachts etwas fertig gemacht, damit es am nächsten Tag steht.
- Und als du mal Hilfe gebraucht hättest, war es sehr still.
- Du sagst dann nichts dazu. Du machst einfach weiter.
Das ist kein Vorwurf
Nicht an die anderen. Die haben nicht gemerkt, dass ich etwas brauche, weil ich es nie gesagt habe. Und weil es ja immer lief.
Und auch nicht an mich von damals. Die hat gern gebacken. Es war nicht falsch, freundlich zu sein.
Es war nur einseitig. Und einseitig hält nicht ewig.
Was ich heute mache
Ich backe immer noch.
Aber ich schaue erst in meinen Kalender.
Wenn der voll ist, dann sage ich: „Leider kann ich diesmal nicht.“
Mehr nicht. Kein „weil“. Keine Erklärung, warum es gerade schlecht passt. Kein Vorschlag, wie es doch noch gehen könnte.
Nur der eine Satz.
Und weißt du was? Bisher ist noch nie ein Fest ausgefallen, weil ich nicht gebacken habe. Es hat sich immer jemand gefunden.
Das ist die Sache, die ich nie geglaubt hätte.
Mein Tipp für das nächste Mal
Wenn du gefragt wirst, schau zuerst in deinen Kalender. Bevor du antwortest.
Nicht ins Herz, nicht ins Gewissen. In den Kalender.
Und wenn da schon etwas steht, dann sag den Satz:
„Leider kann ich diesmal nicht.“
Das ist kein Nein zu dem Menschen. Das ist nur ein Nein zu diesem Termin. Und es ist der einfachste Satz, den es gibt, weil er wahr ist.
Ein paar Fragen für dich
Vielleicht beim nächsten Zettel, der aus der Tasche fällt.
Für wen hast du im letzten Jahr etwas gemacht, das Zeit gekostet hat?
Und wer hat im letzten Jahr etwas für dich gemacht?
Wann hast du zuletzt jemanden um Hilfe gebeten?
Bei der letzten wird es bei vielen still. Das ist der eigentliche Punkt – nicht dass keiner hilft, sondern dass wir nicht fragen.
Der Satz für heute
„Leider kann ich diesmal nicht.“Der Satz für heute
Fünf Wörter. Mehr braucht es nicht.
Und es geht auch ohne den ganzen Rest, den man sonst noch hinterherschiebt.
Wenn du magst, machen wir weiter
Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.
Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.
Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:
- Mein Begleitbuch „Zurück zu dir“
Zwölf ruhige Wochen mit viel Platz zum Reinschreiben. Kein Programm, kein Druck. - Der erste Schritt
Ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.
Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Deine Christel