Der Kuchen war fertig, ich nicht
Ich hatte eine Lungenentzündung. Mein Sohn hatte Geburtstag. Es war ja klar, wer das macht.
Ich hatte eine schwere Lungenentzündung.
Der Arzt hat gesagt: liegen. Nicht schonen, nicht kürzertreten – liegen.
Ich habe genickt. Und bin nach Hause gefahren zu zwei kleinen Kindern.
Liegen ging nicht
Mein Mann ging arbeiten. Das war damals so, da hat keiner drüber geredet.
Und zwei kleine Kinder legen sich nicht mit hin. Die werden hungrig, die müssen gebracht und geholt werden, die brauchen jemanden. Es war keiner da außer mir.
Also bin ich aufgestanden. Wie jeden Tag.
Und dann hatte der Große Geburtstag
Sieben oder acht wurde er. Und Winter war es auch noch.
Ein Kind hat Geburtstag, ein Kind will feiern. Das ist doch logisch. Da kannst du nicht sagen: Dieses Jahr fällt aus, weil Mama krank ist.
Also habe ich den Kuchen gebacken. Das Wohnzimmer hergerichtet. Sieben oder acht Kinder kamen.
Sie wollten Indianer spielen. Draußen im Garten haben wir einen Pfahl in den Boden gesetzt – Marterpfahl haben wir das damals genannt. Ein Lagerfeuer dazu, Stockbrot.
Im Winter. Mit einer Lungenentzündung.
Es war ein schöner Nachmittag. Für die Kinder war er richtig schön.
Mir ging es scheußlich. Ich habe zwischen den Kindern gestanden, in der Kälte, am Feuer, und mir war schlecht und schwindelig, und ich habe gelächelt und Stöcke gehalten.
Und abends
Als der Letzte abgeholt war und die Tür zu, habe ich aufgeräumt.
Das ist doch klar, dachte ich. Man lässt das doch nicht so stehen.
Ich habe damals nicht eine Sekunde überlegt, ob es auch anders hätte gehen können.
Das ist das Merkwürdige daran
Keiner hat gesagt: Du musst das machen.
Keine Mutter hat angerufen und gefragt, ob ich das schaffe. Keiner hat gesagt: Lass es sein. Aber gefragt hat auch keiner, wie es mir geht – und ich habe es auch niemandem gesagt.
Ich hätte eine Mutter anrufen können. Ich hätte sagen können: Wir machen das zwei Wochen später. Ich hätte den Kuchen kaufen können.
Auf keine einzige dieser Ideen bin ich gekommen. Nicht eine.
Das ist der Teil, der mich heute noch erschreckt. Nicht dass es keiner angeboten hat. Sondern dass es für mich gar keine Möglichkeit war.
Vielleicht kennst du das
- Du bist krank und machst trotzdem alles – wer denn sonst.
- Du sagst nicht, wie schlecht es dir wirklich geht. Nicht um zu schonen. Es kommt dir einfach nicht in den Sinn.
- Du hast Termine gehalten, die du hättest verschieben können.
- Wenn dich jemand fragt, ob er helfen soll, sagst du „geht schon", bevor du überhaupt nachgedacht hast.
Das ist kein Vorwurf
Nicht an meinen Mann. Der ist arbeiten gegangen, so war die Aufteilung damals, und die hatten wir nicht erfunden.
Und nicht an mich von damals. Die hat getan, was sie kannte. Sie hat es sogar gut gemacht – der Junge erinnert sich bestimmt an ein schönes Fest und nicht an eine kranke Mutter.
Nur: Es hat etwas gekostet. Und das steht nirgends.
Mein Tipp für das nächste Mal
Wenn du das nächste Mal krank bist, verschieb eine Sache.
Nicht alles. Nicht den ganzen Tag absagen, das schaffst du sowieso nicht. Eine Sache.
Der Einkauf kann bis morgen warten. Der Anruf auch. Die Wäsche wird nicht schlecht.
Such dir die kleinste aus, bei der es am wenigsten weh tut. Und dann lass sie liegen und schau, was passiert.
Es passiert nämlich nichts. Das muss man einmal erlebt haben, sonst glaubt man es nicht.
Ein paar Fragen für dich
Nicht heute beantworten müssen. Nur mal drüberlesen.
Wann hast du zuletzt etwas gemacht, obwohl es dir richtig schlecht ging?
Wer hätte dir helfen können, wenn du gefragt hättest?
Was wäre wirklich passiert, wenn du es gelassen hättest?
Bei der letzten kommt meistens raus: nicht viel. Und dann steht man da und guckt.
Der Satz für heute
"Es war ja klar, wer das macht."Der Satz für heute
War es das wirklich?
Oder war es nur klar, weil nie jemand etwas anderes gesagt hat – du selbst am allerwenigsten.
Wenn du magst, machen wir weiter
Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.
Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.
Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:
- Mein Begleitbuch „Zurück zu dir“
Zwölf ruhige Wochen mit viel Platz zum Reinschreiben. Kein Programm, kein Druck. - Der erste Schritt
Ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.
Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Deine Christel