ChristelLeichtigkeit im Alltag

Und dann kam keiner mehr nach Hause

Erst ging der Große, dann der Kleine. Und kurz danach bin ich selbst gegangen.

Grünes Bild mit einem leeren Flur, Garderobe und einem Paar Schuhe
Bild mit KI erstellt.

Es ging nicht auf einmal. Es ging nacheinander.

Zuerst der Große. Er hat ein duales Studium angefangen, und der Blockunterricht war woanders. Also war er in den Blockwochen nicht mehr da.

Dann der Kleine. Der hat eine Ausbildung gemacht und nebenher sein Fachabitur nachgeholt. Und danach ist er zum Studieren weg. Der ist bis heute weg.

Der Große kam später wieder in dieselbe Stadt zurück. Aber in eine eigene Wohnung, ziemlich schnell. Das ist ja auch normal – wer einmal draußen war, zieht nicht wieder daheim ein.

Was mir erst da aufgefallen ist

Ich war vorher schon oft allein.

Mein Mann war viel unterwegs.

Aber das war nicht schlimm, weil ja die Kinder noch kamen. Einer machte die Tür auf, warf die Tasche hin, holte sich was aus dem Kühlschrank und erzählte irgendwas. Irgendwer war immer da, mit dem man reden konnte.

Und dann war das eben nicht mehr.

Das Haus war nicht leer. Da stand alles noch drin. Es kam nur keiner mehr rein und erzählte.

Und dann bin ich auch gegangen

Ziemlich kurz nach den Jungs.

Warum, das ist meine Sache.

Worum es geht: Ich habe wieder auf eigenen Beinen gestanden. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit.

Eigene Wohnung. Eigene Entscheidungen. Und abends still, aber anders still als vorher.

Der Unterschied

Vorher war es still, weil keiner da war.

Danach war es still, weil ich allein war. Das ist nicht dasselbe.

Im Haus habe ich auf jemanden gewartet, der kommen sollte. In der eigenen Wohnung habe ich auf niemanden gewartet.

Das war am Anfang komisch. Ich habe abends dagesessen und gedacht: Und jetzt?

Und dann ist mir mit der Zeit aufgefallen, dass „und jetzt" auch etwas Gutes sein kann. Es fragt ja niemand mehr, wann das Essen fertig ist.

Vielleicht kennst du das

Das ist kein Vorwurf

Nicht an die Kinder. Die sollen ja gehen. Dafür zieht man sie groß, auch wenn es niemand gern sagt.

Und nicht an mich. Ich habe nicht gemerkt, wie leise es um mich herum geworden ist, weil immer etwas los war.

So etwas merkt man erst, wenn das Letzte wegfällt, das noch Lärm gemacht hat.

Mein Tipp für heute Abend

Wenn es still wird, mach nicht sofort etwas an.

Nicht den Fernseher, nicht das Radio, nicht das Handy. Warte einen Moment und hör hin.

Und dann frag dich eine Sache: Ist das gerade einsam – oder ist das ruhig?

Das ist nämlich nicht dasselbe, und man verwechselt es leicht. Einsam tut weh und will jemanden. Ruhig ist einfach nur leer und wartet, dass du etwas hineintust.

Wenn es einsam ist, ruf jemanden an. Ohne Grund, das ist erlaubt.

Und wenn es ruhig ist, dann ist heute Abend deiner.

Ein paar Fragen für dich

Vielleicht heute Abend, wenn es soweit ist.

Wann ist es bei dir zuletzt still geworden – und was hast du gemacht?

Wen könntest du anrufen, einfach so, ohne dass etwas ist?

Was würdest du an einem Abend machen, an dem niemand etwas von dir will?

Wenn dir bei der letzten nichts einfällt, dann ist das der Anfang. Nicht das Ende.

Der Satz für heute

"Erst war es leer. Dann war es meins."Der Satz für heute

Es dauert eine Weile. Bei mir hat es auch gedauert.

Aber es kommt. Und dann sitzt du da an einem stillen Abend und merkst, dass du nicht wartest. Du bist einfach da.

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Wenn du magst, machen wir weiter

Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.

Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.

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Ruf mich an

Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:

Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.

Deine Christel

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