ChristelLeichtigkeit im Alltag

Am Waldrand habe ich angehalten

Vor der eigenen Tür wäre es aufgefallen. Also bin ich vorher stehen geblieben.

Grünes Bild mit einem alten Auto, das auf einem Feldweg am Waldrand steht, dahinter ein Sonnenuntergang über dem Feld
Bild mit KI erstellt.

Du kommst nach Hause, machst den Motor aus – und bleibst noch einen Moment sitzen.

Kennst du das?

Der Motor ist längst aus, aber du machst die Tür noch nicht auf. Du sitzt einfach da. Ganz still. Nur ein paar Sekunden.

Weil du weißt: Sobald du aussteigst, geht es wieder los.

Bei mir ging das nicht vor der Tür

Zu Hause stand ich direkt vor dem Haus. Da im Auto sitzen zu bleiben, wäre komisch gewesen. Das hätte jemand gesehen, und dann hätte einer gefragt, ob was ist.

Also bin ich vorher stehen geblieben.

Am Waldrand. Ein Stück vor dem Ort, wo einen keiner kennt und keiner vorbeikommt.

Da habe ich den Motor ausgemacht und bin sitzen geblieben.

Was gleich anfangen würde

Kochen. Putzen. Der Garten. Die Kinder. Die Einkäufe, die noch im Kofferraum lagen und ausgepackt werden mussten.

Nichts davon war schlimm. Das ist ja das Merkwürdige. Es war einfach alles gleichzeitig, und es fing in dem Moment an, in dem ich die Autotür aufmachte.

Im Auto wollte gerade keiner etwas von mir.

Das war oft mein einziger Moment für mich am ganzen Tag.

Und jetzt kommt der Teil, der mich heute noch traurig macht

Ich habe mich versteckt.

Nicht weil es verboten gewesen wäre, kurz zu sitzen. Sondern weil ich mich dafür geschämt habe.

Ich dachte, das ist doch albern. Ich habe doch alles – eine Familie, ein Haus, gesunde Kinder. Und jetzt sitze ich hier am Waldrand im Auto und will nicht nach Hause.

Deshalb der Waldrand. Da sieht mich keiner. Da muss ich niemandem erklären, warum ich fünf Minuten brauche.

Verrückt, oder? Dass ausgerechnet das Auto der einzige Ort war, an dem ich mal kurz durchatmen konnte.

Vielleicht kennst du das

Das ist kein Vorwurf

Nicht an die Kinder. Kinder brauchen einen, das ist ihr gutes Recht.

Und auch nicht an mich von damals. Die hat sich genommen, was ging. Fünf Minuten am Waldrand sind besser als gar keine fünf Minuten.

Nur eins würde ich der Frau von damals gern sagen: Das war nicht albern. Das war ein Zeichen.

Wenn fünf Minuten im stehenden Auto der ruhigste Teil deines Tages sind, dann fehlt dir irgendwo Ruhe. Nicht das Auto ist das Problem.

Mein Tipp für diese Woche

Wenn du wieder sitzen bleibst, dann bleib sitzen. Ohne schlechtes Gewissen.

Und dann such dir eine zweite Stelle. Eine, die drinnen ist.

Ein Stuhl, eine Ecke, ein Platz am Fenster. Irgendwo, wo du dich fünf Minuten hinsetzen kannst, ohne dass es aussieht wie Flucht.

Weil das der Unterschied ist: Im Auto versteckst du dich. Auf deinem Stuhl sitzt du.

Ein paar Fragen für dich

Vielleicht beim nächsten Mal, wenn du wieder sitzen bleibst.

Wo ist dein Waldrand? Wo bist du, wenn gerade keiner etwas von dir will?

Was fängt an, sobald du zur Tür reinkommst?

Und was davon müsste wirklich sofort sein?

Bei der letzten kommt oft heraus: fast nichts. Es fühlt sich nur so an.

Der Satz für heute

"Ich brauche keinen Waldrand. Ich brauche fünf Minuten."Der Satz für heute

Die stehen dir zu. Auch drinnen. Auch wenn jemand zuschaut.

Und du musst dafür nicht erst wegfahren.

Alle Texte ansehen →

Wenn du magst, machen wir weiter

Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.

Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.

Die Begleitung ansehen

Ruf mich an

Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:

Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.

Deine Christel

← Zum Blog