Am Waldrand habe ich angehalten
Vor der eigenen Tür wäre es aufgefallen. Also bin ich vorher stehen geblieben.
Du kommst nach Hause, machst den Motor aus – und bleibst noch einen Moment sitzen.
Kennst du das?
Der Motor ist längst aus, aber du machst die Tür noch nicht auf. Du sitzt einfach da. Ganz still. Nur ein paar Sekunden.
Weil du weißt: Sobald du aussteigst, geht es wieder los.
Bei mir ging das nicht vor der Tür
Zu Hause stand ich direkt vor dem Haus. Da im Auto sitzen zu bleiben, wäre komisch gewesen. Das hätte jemand gesehen, und dann hätte einer gefragt, ob was ist.
Also bin ich vorher stehen geblieben.
Am Waldrand. Ein Stück vor dem Ort, wo einen keiner kennt und keiner vorbeikommt.
Da habe ich den Motor ausgemacht und bin sitzen geblieben.
Was gleich anfangen würde
Kochen. Putzen. Der Garten. Die Kinder. Die Einkäufe, die noch im Kofferraum lagen und ausgepackt werden mussten.
Nichts davon war schlimm. Das ist ja das Merkwürdige. Es war einfach alles gleichzeitig, und es fing in dem Moment an, in dem ich die Autotür aufmachte.
Im Auto wollte gerade keiner etwas von mir.
Das war oft mein einziger Moment für mich am ganzen Tag.
Und jetzt kommt der Teil, der mich heute noch traurig macht
Ich habe mich versteckt.
Nicht weil es verboten gewesen wäre, kurz zu sitzen. Sondern weil ich mich dafür geschämt habe.
Ich dachte, das ist doch albern. Ich habe doch alles – eine Familie, ein Haus, gesunde Kinder. Und jetzt sitze ich hier am Waldrand im Auto und will nicht nach Hause.
Deshalb der Waldrand. Da sieht mich keiner. Da muss ich niemandem erklären, warum ich fünf Minuten brauche.
Verrückt, oder? Dass ausgerechnet das Auto der einzige Ort war, an dem ich mal kurz durchatmen konnte.
Vielleicht kennst du das
- Du bleibst sitzen, obwohl der Motor längst aus ist.
- Du fährst einen Umweg, wenn du früher dran bist als gedacht.
- Du bleibst im Laden noch zwei Minuten länger stehen, obwohl du alles hast.
- Und wenn dich jemand fragt, wo du so lange warst, sagst du: Es war viel los.
Das ist kein Vorwurf
Nicht an die Kinder. Kinder brauchen einen, das ist ihr gutes Recht.
Und auch nicht an mich von damals. Die hat sich genommen, was ging. Fünf Minuten am Waldrand sind besser als gar keine fünf Minuten.
Nur eins würde ich der Frau von damals gern sagen: Das war nicht albern. Das war ein Zeichen.
Wenn fünf Minuten im stehenden Auto der ruhigste Teil deines Tages sind, dann fehlt dir irgendwo Ruhe. Nicht das Auto ist das Problem.
Mein Tipp für diese Woche
Wenn du wieder sitzen bleibst, dann bleib sitzen. Ohne schlechtes Gewissen.
Und dann such dir eine zweite Stelle. Eine, die drinnen ist.
Ein Stuhl, eine Ecke, ein Platz am Fenster. Irgendwo, wo du dich fünf Minuten hinsetzen kannst, ohne dass es aussieht wie Flucht.
Weil das der Unterschied ist: Im Auto versteckst du dich. Auf deinem Stuhl sitzt du.
Ein paar Fragen für dich
Vielleicht beim nächsten Mal, wenn du wieder sitzen bleibst.
Wo ist dein Waldrand? Wo bist du, wenn gerade keiner etwas von dir will?
Was fängt an, sobald du zur Tür reinkommst?
Und was davon müsste wirklich sofort sein?
Bei der letzten kommt oft heraus: fast nichts. Es fühlt sich nur so an.
Der Satz für heute
"Ich brauche keinen Waldrand. Ich brauche fünf Minuten."Der Satz für heute
Die stehen dir zu. Auch drinnen. Auch wenn jemand zuschaut.
Und du musst dafür nicht erst wegfahren.
Wenn du magst, machen wir weiter
Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.
Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.
Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:
- Mein Begleitbuch „Zurück zu dir“
Zwölf ruhige Wochen mit viel Platz zum Reinschreiben. Kein Programm, kein Druck. - Der erste Schritt
Ein Abend über Zoom, eine Stunde, in kleiner Runde, 39 €. Du musst weder die Kamera anmachen noch etwas sagen.
Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Deine Christel