ChristelLeichtigkeit im Alltag

Ich habe den Hof leergeräumt, einen Monat vor der Geburt

Andere waren in der Zeit im Urlaub

Ein fast leergeräumtes altes Bauernhauszimmer mit hellen Stellen an der Tapete, ein Eimer und gefaltete Kartons
Bild mit KI erstellt.

1996 haben meine Eltern den Hof verkauft.

Sie sind in die Siedlung gezogen, ein paar Straßen weiter. Und der Hof musste leer werden. Komplett.

Das war das Haus, in dem ich geboren bin. In dem meine Uroma noch gelebt hat, meine Großeltern, meine Eltern, Onkel und Tanten. Da war alles drin, was sich in so einem Haus über Jahrzehnte ansammelt.

Ich wohnte da längst nicht mehr

Das gehört zur Geschichte dazu.

Ich hatte einen eigenen Haushalt. Es war nicht mein Haus, das leer werden musste. Es war nur das Haus, in dem ich groß geworden bin.

Dass ich trotzdem mitmache, stand nie zur Debatte. Es hat auch keiner ausgesprochen. Es war einfach klar.

Ich war hochschwanger

Einen Monat vor dem Termin.

Ich habe mitgeräumt. Kisten gepackt, Schränke ausgeräumt, geschrubbt. Und wer schon mal einen alten Hof geputzt hat, weiß, dass das keine halbe Sache ist.

Mir ging es dabei ganz schlecht. Ich weiß noch, dass ich mich zwischendurch hingesetzt habe und dachte, gleich geht es wieder.

Es ging dann auch wieder.

Gefragt hat mich keiner

Nicht, ob ich kann. Nicht, ob es zu viel ist. Nicht, ob ich mal Pause machen will.

Ich habe es aber auch nicht gesagt.

Das gehört dazu, sonst wäre der Text unehrlich. Ich habe dagestanden und geschrubbt und gedacht, dass es gleich besser wird, und kein einziges Mal den Mund aufgemacht.

Es war ja die Arbeit, die anstand. Und Arbeit, die ansteht, wird gemacht.

Auch wenn man da gar nicht mehr wohnt.

Andere waren in dieser Zeit im Urlaub

So war das.

Und ich sage das heute mit einem bestimmten Unterton, den ich damals nicht hatte. Damals fand ich das normal.

Wenn ich einen Satz hätte, der die ganze Sache zusammenfasst, dann diesen: So wurde damals Rücksicht genommen auf eine Frau, die vom Land kam.

Der ist bitter. Ich lasse ihn trotzdem stehen.

Das Merkwürdige daran

Ich habe das Haus meiner Kindheit ausgeräumt, während ich mein erstes Kind im Bauch hatte.

Das eine hörte auf, das andere fing an, und ich war das Bindeglied zwischen beidem, mit einem Eimer in der Hand.

Mein Sohn hat diesen Hof nie gesehen. Er kam vier Wochen später zur Welt, und da war der Hof schon verkauft.

Damals habe ich darüber nicht nachgedacht. Ich habe geputzt.

Vielleicht kennst du das

Das ist kein Vorwurf

Nicht an meine Eltern. Die haben ihr Zuhause verkauft und sind in ein kleines Haus gezogen, und ich weiß bis heute nicht, wie es ihnen dabei ging. Wir haben nicht darüber gesprochen. Bei uns wurde über so etwas nicht gesprochen.

Und auch nicht an die, die im Urlaub waren. Vielleicht war der lange gebucht.

Nur eins stimmt: Es hätte einen Menschen gebraucht, der einmal hinschaut und sagt: Setz dich hin, das machen wir. Den gab es nicht. Und ich habe nicht danach gefragt.

Von diesen beiden Sachen ist die zweite die, an der ich etwas hätte ändern können.

Was ich heute anders machen würde

Ich würde es sagen.

Nicht laut, nicht vorwurfsvoll. Einfach: Ich kann heute nicht mehr, ich setze mich hin.

Das klingt so klein, wenn man es liest. Und es ist trotzdem das Schwerste, was es gibt, wenn man damit aufgewachsen ist, dass Arbeit gemacht wird und fertig.

Mein Tipp

Wenn du das nächste Mal irgendwo mit anpackst und merkst, dass es zu viel wird, dann probier einen Satz, der nicht nach Schwäche klingt:

„Ich muss kurz sitzen, dann mache ich weiter."

Der ist leichter über die Lippen zu bringen als „ich kann nicht mehr". Er lässt dir die Tür offen. Und in neun von zehn Fällen sagt jemand: Ja klar, setz dich.

Man muss es nur einmal ausprobieren, um zu merken, dass die Welt nicht stehen bleibt.

Ein paar Fragen für dich

Wo packst du automatisch mit an, ohne dass jemand fragt?

Wann hast du zuletzt gesagt, dass es zu viel ist?

Und was glaubst du, würde passieren, wenn du es sagst?

Bei der letzten kommt oft eine Befürchtung heraus, die man noch nie überprüft hat. Sie stimmt meistens nicht.

Der Satz für heute

„Es hat keiner gefragt, ob ich kann."Der Satz für heute

Das ist der eine Teil.

Der andere heißt: Ich habe es auch nicht gesagt.

Den ersten Teil konnte ich nicht ändern. Den zweiten schon – nur habe ich fast dreißig Jahre gebraucht, um das zu merken.

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Wenn du magst, machen wir weiter

Ich bin Christel. Ich komme vom Land, war jahrelang die, die für alle da war – und habe mir irgendwann selbst wieder Platz gemacht.

Heute begleite ich Frauen, denen es ähnlich geht. Acht Gespräche über acht Wochen, nur du und ich, in deinem Tempo. Vorher lernen wir uns kennen – zwanzig Minuten am Telefon, und das kostet nichts. Entscheiden musst du danach in Ruhe zu Hause.

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Ruf mich an

Und wenn dir das noch zu groß ist – es gibt auch kleinere Türen:

Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.

Deine Christel

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